Mein Artikel in der Mama Mia Ausgabe  5/18

"Es war Winter 2015. An einem Morgen im März ertastete ich beim Duschen unter meiner linken Achsel am Rande der Brust einen Knoten. Erschreckend real. Da war kein Zweifel. Etwa 1- 2 cm groß. Ich hatte sofort eine Vorahnung, dass dort etwas nicht stimmte. Er lag mitten im Lymphsytem aber mein Bauchgefühl sagte mir, das ist kein vergrößerter Lymphknoten.

Seltsamerweise hatte ich noch die Tage vorher gedacht, dass alles in meinem Leben derzeit etwas zu rund läuft. Beruflich wie privat, es war alles irgendwie zu perfekt in dieser Zeit. Nach 15 Jahren eigener Yoga Praxis hatte ich mir meinen größten Traum erfüllt. Ich wollte endlich meine Yogalehrerausbildung machen. Nach all den Jahren mit den Kindern, Rücksicht auf die Karriere meines Mannes hatte ich das Gefühl jetzt dran zu sein und freute mich riesig auf die Ausbildung. Die Anmeldung war schon gemacht. Beginn der Ausbildung war im März 2015.

Auf jeden Fall war ich schlagartig hellwach und rief sofort meine Frauenärztin an um einen schnellen Termin zu vereinbaren. Noch am selben Nachmittag wurde der erste Ultraschall gemacht. Ihr erster Eindruck war, rechnen Sie mit einem Tumor. Sie war sehr besorgt, wegen der eindeutigen zackigen Umrandung des Knotens. Am selben Tag rief ich in der Radiologie an und vereinbarte einen Termin zur Stanzbiopsie. Es war alles wie im Film. Mein Bauch sagte mir ich habe Krebs mein Kopf wollte das einfach nicht wahrhaben. Er sträubte sich dagegen und alles erschien völlig unreal. Drei Tage später war ich in der Radiologie München. Der erste Eindruck der Ärztin deckte sich mit dem meiner Frauenärztin. Jetzt wusste ich, dass es wirklich sehr ernst war. Auf beiden Seiten der Brust wurde Gewebe entnommen und zur Untersuchung verschickt. Jeder, der das einmal erlebt kennt die schier endlose Warterei auf das Ergebnis. Drei Tage wie eine Ewigkeit. Im nach hinein war das richtig crass. Zu diesen Zeitpunkt realisiert man selber noch gar nicht was eigentlich passiert.

In dieser Woche war der 1. Ausbildungsblock vom Teacher Training im Airyoga München. 35 hoch motivierte Frauen und Männer die alle Yogalehrer werden wollten. Und ich mitten drin mit der Angst vor einer Krebserkrankung. Ich versuchte ruhig zu beleiben und  informierte nur die Leiterin der Yogaschule, dass ich eventuell nicht die gesamte Ausbildung durchziehen könnte. Die Reaktionen der Menschen, denen ich erzählte was ich habe, lies mich ahnen was da auf mich zukommt. Man selber nimmt das gar nicht wirklich war.

Am Ende dieser Woche bekam ich mein Ergebnis. Der Gang in das Zimmer der Ärztin, wo einem das Ergebnis mitgeteilt wird, ist vielleicht das Schlimmste in diesem ganzen Ablauf. Sie redete nicht lange drum herum. Frau Hlous sie haben Brustkrebs und müssen sich sofort bei einer Klinik vorstellen. Ein Schock den man sich gar nicht vorstellen kann. Alles um einen herum erscheint zu verschwimmen. Es war tatsächlich ausgesprochen. Gleichzeitig ist da eine gewisse Erleichterung, weil diese Unsicherheit einen schier zerreist. Sofort wurde der nächste Termin vereinbart. Brustzentrum München. Ich kam zu Professor Dr. Braun. Mein Mann begleitete mich zu allen Terminen. Der Arzt erklärte uns alles sehr genau und sagte mir der Tumor sei hormonabhängig, noch sehr klein aber sehr aktiv. Die Behandlung würde sofort beginnen. Ich bekam direkt ein Medikament das die Hormone im Körper absenkt. Und einen Op Termin. Es ging also los.

In der kommenden Woche startete der 2. Block meiner Ausbildung ich teilte meinen Lehrern mit was ich habe und das ich erst mal weitermache so lange es geht. Irgendein Gefühl in mir sagte mir einfach …Sabine weiter machen. Die Ausbildung  lenkte ab von der ganz großen Katastrophe. So ein Teacher Training dauert Monate ist wahnsinnig intensiv und anstrengend. Ich hatte das irgendwie auch als Fluchtpunkt benutzt.

Anfang April wurde ich operiert. Die OP verlief gut. Es waren keine Lymphknoten befallen, ich war sehr erleichtert. Ich war immer noch der Ansicht keine Chemo zu bekommen. Das entnommenen Gewebe wurde untersucht und das Ergebnis war eindeutig. Chemo, sofort und 6 Monate lang. Meine Zellteilung war so extrem hoch daher hatte ich ein sehr hohes Rückfallrisiko. Das war ein Riesenschock. Ich sah die ganze Auswirkung schlagartig vor Augen. In der gleichen Woche wurde mir der Port gelegt. Während dieser OP ist man wach und ich erzählte dem Arzt, dass ich in einer Yogalehrerausbildung bin und ob er da bedenken sehe wegen dem Port. Er schaute mich völlig erstaunt an. Dachte vielleicht ich spinne.

Wieder 4 Tage Ausbildung. Diesmal konnte ich nur als Zuschauer und Zuhörer dabei sein. Meine frische OP Narbe lies keine Asanas zu. Bis auf die Schmerzen der Narbe ging es mir sehr gut was alle, einschließlich mich selber sehr erstaunte. Es tat mir gut unter diesen tollen Menschen zu sein ein festes Ziel vor Augen zu haben.

Dann begann die Chemo. Ich versucht gar nicht zu planen wie lange es gut gehen würde. Dachte mir nur, immer einen Schritt nach dem Anderen. An dieser Stelle begann das Yoga sich in die Realität einzuschleichen. Ich war vollkommen fokussiert. War im hier und jetzt wie nie zuvor in meinem Leben. Stellte meine Ernährung um schlief sehr viel, um meine ganze Kraft für die 12 Chemos und die langen Ausbildungstage aufzusparen. Jeden Monat hatte ich 4 Tage Ausbildung alle 2 Wochen eine Chemo. Zum Ende hin wöchentlich. Immer im Wechsel. Zyklus für Zyklus arbeitete ich mich durch diesen Prozess. Ende September war die Abschlussprüfung im Airyoga. Zu diesem Zeitpunkt war ich wirklich sehr geschwächt. Mit letzter Kraft schrieb ich die lange schriftliche Prüfung und absolvierte meine praktische Yoga Prüfung. Überglücklich und erleichtert das es endlich überstanden war.

Einen Tag nach der Prüfung wurde mir eine Assistentenstelle angeboten von Tanja Seehofer. Eine sehr bekannte Lehrerin aus München und Ausbilderin im YIN YOGA. Ich konnte es kaum glauben unter all diesen tollen Yogalehrern wurde mir das zugetraut. Das machte mich unendlich dankbar.

Ich begann im Oktober mit der Bestrahlung, die täglichen stattfindet. Und war von da an jeden Sonntag im Airyoga zum assistieren bei Tanja. Meine Kraft kehrt nur sehr langsam zurück. Ich war trotzdem sehr glücklich über diese Chance und hatte das Ende der Behandlung vor Augen. Dezember 2015 sollte die Bestrahlung enden. Es folgten aber  immer wieder Untersuchungen. Noch mal eine letzte OP wegen der Portentnahme. Die Angst und der Haarverlust, all das spielte zu diesem Zeitpunkt keine Rolle mehr. Ich war mir sicher ich werde das schaffen. Nach drei Wochen Rhea kam langsam die Kraft zurück. Ich begann Woche für Woche wieder mehr Ausdauer Sport zu treiben. Auch die die Tablettentherapie begann zu dieser Zeit, 10 Jahre werde ich täglich Tamoxifen einnehmen müssen. Die befürchteten Nebenwirkungen sind bisher im erträglichem Rahmen geblieben. Ich vermute schon, dass meine tägliche Yogapraxis einen großen Teil der Beschwerden mindert. Im Januar 2016 absolvierte ich dann meine YIN YOGA Ausbildung.

Diese Yogaform erschien mir ideal zu sein. Durch meine eigene Erfahrung während der Therapie konnte ich das einfach spüren. Ich konnte praktizieren sogar an den Tagen der Chemo. Von diesem Yoga Stil können auch andere Frauen profitieren. Die sanfte Dehnungen der hohe meditative Anteil in den Stunde entspannt den Körper und den Geist auf allen Ebenen. Die Asanas werden lange gehalten so kann man die tiefen Schichten des Fasziengewebes erreichen.

Im nach hinein muss ich sagen es hätte gar nicht besser laufen können. In meinem Fall hat die Diagnose etwas in mir ausgelöst, das ich umwandeln konnte in meine eigene Geschichte. Ich habe dann Mitte 2016 begonnen mit den ersten YIN Yoga Kursen für Brustkrebspatientinnen. Es ist allerdings schwer, in München bezahlbare Räume zu finden. Auch ist die Angst der Frauen sehr groß, dass es Ihnen evtl. zu anstrengend sein wird. Daher muss man sehr viel organisieren um die Frauen zu kontaktieren. Immer wieder fällt jemand aus, wegen der vielen Untersuchungen oder Chemos die nicht vertragen werden. Ich bin inzwischen mit verschiedenen  Münchner Krankenhäusern im Gespräch und hoffe sehr, dass ich das Angebot ausbreiten kann. Das Interesse ist gross, in anderen Ländern wird schon lange Yoga für Kebspatientinnen angeboten. Inzwischen habe ich 5 Vinyasa Yoga und 2 Yin Yoga Kurse in München, vertrete Tanja sehr oft bei Ihren Stunden und begleite Sie auf Messen und Events. Zusätzlich habe ich eine feste YIN YOGA Gruppe für Brust/Krebspatientinnen. Und immer wieder Workshops zu diesem Thema. Daran hängt mein Herz, das möchte ich weiter ausbauen. Und auf diesem Wege meine Liebe zum Yoga und meine eigene Erfahrung als Krebspatientin an die Frauen weitergeben. Seit März 2018 bin ich in einer weiteren großen Yogalehrer Ausbildung. Alles in allem hat mich die Krankheit an einem Punkt gebracht, wo ich vielleicht sonst nie gelandet wäre. Ich bin dankbar und glücklich, welche Wege sich eröffnet haben für mich und dass ich das (erstmal) so gut überstanden habe."

 

Liebe Grüße Sabine

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Krise zu überstehen ist wie einen hohen Berg zu besteigen. Es ist hart, es ist anstrengend und zwischendrin will man aufgeben. Aber wenn man oben steht, wenn man es durch gestanden hat, ist es grandios. Das Gefühl ist einzigartig und das sollte jeder mal probieren. Jeder von uns kann soviel mehr als wir uns vorstellen können. Und keiner weiß wie stark er ist bis er wirklich stark sein muss. Ich war nie besonders gut im Krisen wegstecken aber als dann 2015 die ganz große Katastrophe kam, konnte ich plötzlich meine innere Stärke sehen und annehmen.  Seither versushe ich immer auch das Gute in allen Veränderungen zu sehen auch wenn sie noch so schmerzlich erscheinen im ersten moment. Die ganz grosse Herausforderung sehe ich im Annehemn was ist , im Annehmen was wir nicht verändern können.

" Nicht alles was Du verlierst ist ein Verlust"

Ich möchte allen Menschen die mit Krebs oder anderen Krankheiten zu kämpfen haben, Mut machen, nie aufzugeben, weiter an das Leben zu glauben und wünsche Allen eine wunderschöne & glückliche Zeit.

Liebe Grüße Sabine

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

YIN YOGA FÜR BRUST / KREBSPATIENTINNEN

ist auf die besonderen mentalen, körperlichen und emotionalen Bedürfnisse in dieser Situation zugeschnitten. Durch meine eigene Erfahrung der Krebsdiagnose, einer langen Chemo und Strahlentherapie konnte ich mit der Zeit ein recht gutes Gespür entwickeln was in dieser Zeit wirklich mit einem passiert, was diese Diagnose auslöst und wie man lernen kann mit der neuen Situation umzugehen. Die Situation annehmen ohne zu verdrängen. Die Situation annehmen ohne zu verurteilen. Die Situation annehmen ohne zu verzweifeln.

 

YIN YOGA FÜR BRUST / KREBSPATIENTINNEN
* unterstützt Kraft und Flexibilität zu gewinnen
* vitalisiert das komplette Faziengewebe
* ermöglicht sich in Balance und wider als Ganzes zu spüren
* kann das Schlafverhalten und das Lebensgefühl deutlich verbessern
* führt zu innerer Ruhe und tiefer Entspannung
* hilft anstehende Behandlungen und Kontrolltermine gelassener zu meistern
* berücksichtigt alle Stadien der Therapie wie Chemo, Bestrahlung und Operationsnarben
* kann bei regelmäßiger Praxis das Immunsystem positiv beeinflussen
* regt den Meridianfluss und unser gesamtes Lymphsystem an
* lehrt Achtsamkeit dem eigenem Körper gegenüber und hilft Selbstliebe zu entwickeln

 

Die Frauen in den Gruppen tragen sich untereinander und Jede profitiert von der Erfahrung und der Empathie der Anderen. Das ist wundervoll und heilsam. Vielen Dank an Alle die in meine Kurse kommen und mir Ihr Vertrauen schenken.

Liebe Grüße Sabine